Auge und neurologische Erkrankungen

22.08.2022
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Bei Unsicherheit zum Augenarzt

Neurologische Erkrankungen können auch Sehstörungen verursachen. Dabei kann es sich um Störungen der Durchblutung, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Muskelerkrankungen oder Tumore handeln. In manchen Fällen kann sich die entsprechende Erkrankung auch erstmals mit Augenproblemen bemerkbar machen.

Gesichtsfeldausfälle, Sehschärfenminderungen, Doppelbilder sowie Kopf- und Augenbewegungsschmerzen können Ausdruck einer Augenerkrankung oder von neurologischen Störungen sein. Eine Untersuchung beim Augenarzt wird in diesen Fällen stets empfohlen.

Augenmigräne

Schmerzen im Kopfbereich die vor allem eine Seite betreffen und von weiteren Symptomen wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Gefühlsstörungen oder Schwindel begleitet werden sind typisch für eine Migräne-Attacke. Hinzutreten können Störungen der optischen Wahrnehmung mit Flimmern, Lichtblitzen und grell erscheinenden Farben. Manchmal können auch nur die genannten optischen Sensationen auftreten ohne eigentliche Kopfschmerzen. Man spricht dann von einer sog. Migraine ophthalmique (Augenmigräne). Die Migräne lässt sich durch entsprechende Medikamente behandeln. Betroffenen hilft auch Ruhe und eine kurzzeitige Abschirmung gegenüber Licht und Lärm.

Multiple Sklerose

Bei der MS (Multiple Sklerose) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung die das Nervensystem befällt. Es kommt zu einer Zerstörung der Myelinscheiden, der Umhüllung der Nervenzellen, welche für die Erregungsleitung eine wichtige Rolle spielt. Häufig macht sich die Erkrankung erstmals durch Sehstörungen bemerkbar. Durch die schubweise Entzündung des Sehnervs führt dies bei Betroffenen zu einer kurzzeitigen Abnahme der Sehschärfe, Doppeltsehen, Augenbewegungsschmerzen oder Gesichtsfeldausfällen. Die genannten Symptome bilden sich in der Regel nach kurzer Zeit vollständig zurück. Im Verlauf können dann weitere neurologische Beschwerden hinzukommen wie beispielweise Störungen der Blasenentleerung, Sensibilitätsstörungen und Kraftminderungen. Die Untersuchung beim Augenarzt ergibt häufig einen normalen Befund ohne Auffälligkeiten. Weitere, neurologische Abklärungen sind dann sinnvoll.

Schielen

Durchblutungsstörungen, Tumore oder Schäden im Bereich der Hirnnerven können zu Augenmuskellähmungen führen. In der Folge kommt es zu einer Abweichung der Sehachsen, dem sog. Lähmungsschielen. Je nach Blickrichtung entstehen dabei Doppelbilder. Häufig wird auch eine kompensatorische Schiefhaltung des Kopfes beobachtet. Augenärztliche Abklärungen sowie Untersuchungen in der Sehschule sichern die Diagnose und eine Behandlung eingeleitet werden mittels Brillen, oder falls erforderlich, durch einen chirurgischen Eingriff.

Parkinson

Bei der Parkinson-Krankheit kommt es zum Zelluntergang in einem Kernkomplex des Mittelhirns, der sog. Substantia nigra. Die Degeneration des Nervengewebes verläuft langsam progredient und bedingt typische neurologische Störungen wie Gangveränderungen, Händezittern und eine Muskelrigidität mit Bewegungseinschränkungen. Daneben treten häufig auch Augenstörungen auf:

  • Visusminderung

  • Doppeltsehen

  • Trockene Augen

  • Binde– und Hornhautentzündungen

  • Schleiersehen

Auch bei der Therapie des Parkinson können als unerwünschte Wirkung von Medikamenten Augenprobleme auftreten.

Myasthenia gravis

Diese Erkrankung wird durch Autoantikörper ausgelöst, welche die Impulsübertragung von den Nervenfasern an die Muskulatur stören indem sie spezielle Rezeptoren blockieren. Die gestörte Signalübermittlung führt zu einer raschen Ermüdbarkeit der Muskulatur und damit zu einer Muskelschwäche. Die Krankheit kann die gesamte Skelettmuskulatur befallen. Eine ausgeprägte Schwäche an Armen und Beinen, Störungen beim Schlucken oder Sprechen sind typische Symptome. Auch können die Augenmuskeln betroffen sein:

  • Doppeltsehen, häufiges Erstsymptom

  • Herabhängen des oberen Augenlids (Ptosis)

  • Lähmung der Augenmuskeln mit Augenbewegungsstörungen

Myotone Dystrophie

Es gibt mehrere Manifestationsformen dieser genetisch bedingten, unheilbaren Muskelkrankheit mit unterschiedlicher klinischer Ausprägung und Schweregraden. Die Dystrophien können direkt nach der Geburt oder bis ins hohe Lebensalter erstmals auftreten, und gehen oft auch mit Augenbeschwerden einher. Durch den Befall der Gesichtsmuskulatur mit Muskelschwund –und Schwäche kommt es häufig zu einer Ptose (herabhängen des Lids) und Augenbewegungsstörungen. Des Weiteren entwickeln Betroffene frühzeitig einen grauen Star (Katarakt).

Entzündliche Veränderungen, Fehlbildungen von Blutgefässen und Tumore

Die Sehbahn durchläuft ausgehend vom Auge einen grossen Teil des Gehirn bis sie in der Sehrinde des Grosshirn (Okzipitallappen) endet. Diese “Strecke“ kann in unterschiedlichen Bereichen von entzündlichen Veränderungen oder Tumoren der umgebenden Strukturen sowie durch Gefässfehlbildungen beeinträchtigt werden. Je nach Lokalisation und Ausprägung können für Betroffene unterschiedlich starke Sehstörungen entstehen. So führt beispielsweise ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), das sog. Hypophysenadenom, zu Druckschäden im Bereich der Sehbahnkreuzung (Chiasma opticum). Dies hat eine visuelle Beeinträchtigung mit typischen Gesichtsfeldausfällen zur Folge: Objekte im seitlichen Gesichtsfeld werden nicht mehr erkannt (bitemporale Hemianopsie).

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Erkrankungen aus dem neurologischen Kreis können auch zu Augenbeschwerden führen. Die Ursachen für Sehstörungen und andere Augenprobleme können vielfältig sein und auch auf dem Boden einer ernsten Erkrankung wie eines Tumor im Gehirn, Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder von genetischen Krankheiten wie der Myasthenie entstehen. Bei Beeinträchtigungen des Sehsystems mit Gesichtsfelddefekten, Doppelbildern oder einer Sehverschlechterung sollte daher stets eine augenärztliche Konsultation erfolgen. Ihr Augenarzt in Zürich Wallisellen berät Sie gerne, vereinbaren Sie einen Termin!