Augenerscheinungen bei Migräne

22.08.2022
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Spasmen der Hirngefässe

Viele Menschen leiden unter Migräne – anfallsartigen, halbseitigen Kopfschmerzen, welche mit oder ohne  Aura, d.h. Vorerscheinungen wie Verdauungsbeschwerden, Übelkeit oder Sehstörungen, auftreten kann. Ursache der Migräne sind vermutlich Spasmen von Hirngefässen. Zu einer Beteiligung der Augen kommt es, wenn Gefässe kontrahieren, welche die Sehrinde im Gehirn versorgen.

Lichtblitze und Flimmern

Typische Kennzeichen solcher Augenerscheinungen bei Migräne sind:

  • grelle Lichtblitze

  • In einem Bereich des Gesichtsfeldes kann nicht bzw. nur ein dunkler Fleck gesehen werden (Gesichtsfeldausfall)

  • Sehen eines Flimmerskotoms, d.h. eines Fleckes, der flimmert und oszilliert sowie die Form eines Halbkreises hat. Ein Flimmerskotom bewegt sich meist von einer Hälfte des Blickfeldes in die andere (d.h. es wandert), bevor es nach maximal 1h ganz verschwindet.

Aura als Vorbotin der Kopfschmerzen

Migräne kann mit oder ohne Aura auftreten. Unter einer „Aura“ versteht man, den Kopfschmerzen vorausgehende Vorboten, welche das Auftreten einer Migräne ankündigen. Circa 20% der Patienten mit Migräne leiden an einer Aura, wie z.B. dem Sehen von Lichtblitzen, Gesichtsfeldausfällen, einem Flimmerskotom, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, einer erhöhter Sensitivität für Geräusche und hellem Licht, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen sowie dem Empfinden von Parästhesien („Ameisenlaufen“).

Differentialdiagnosen abklären

Die oben genannten Beschwerden, können jedoch immer auch eine andere, oftmals auch ernste Ursache haben und müssen insbesondere, wenn sie länger als 24h anhalten, ärztlich abgeklärt werden. Neurologische Symptome wie z.B. Sprachstörungen oder Lähmungen müssen umgehend abgeklärt werden, da es sich auch um die Symptome eines Schlaganfalls handeln kann.

Migraine ophthalmique

Die „Migraine ophthalmique“ oder Augenmigräne ist eine seltenere Form der Migräne, bei welcher die Gefässe im Auge, jedoch nicht die Gefässe im Gehirn betroffen sind. Es kommt zum Auftreten eines deutlich kürzeren Flimmerns (Sekunden-Minuten), als es bei einer Migräne mit Aura auftritt, auf welches keine Kopfschmerzen folgen.

Auslöser wie Schlafentzug, Stress oder Ernährung

Eine Migräne kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören zu wenig Schlaf, Stress, Ernährung (Nahrungsmittel, welche bestimmte Neurotransmitter enthalten, wie z.B. Käse und Wein) sowie hormonelle Faktoren (aufgrund des Einflusses von Östrogen sind Männer seltener betroffen als Frauen, zudem bessern sich die Beschwerden meist nach der Menopause, d.h. nach dem Absinken des Östrogenspiegels bei Frauen).

Diagnostik durch Augenarzt und Neurologen

Die Abklärung einer Migräne erfolgt im ersten Schritt durch einen Neurologen. Kommt es jedoch zum Auftreten von Augenerscheinungen (Lichtblitze, Flimmerskotom, Gesichtsfeldausfall), so müssen die Augen auch durch einen Augenarzt begutachtet werden. Dieser untersucht das ganze Auge, insbesondere aber die Netzhaut, da die genannten Symptome auch die einer Netzhautablösung sein können, welche eine umgehende Behandlung (operative Wiederanlegung der abgelösten Netzhaut) erfordern würde.

Symptomatische Therapie der Schmerzen und Begleitsymptome (Aura)

Eine Migräne wird in der Regel symptomatisch behandelt, d.h. es werden Schmerzmittel gegen die Kopfschmerzen und bei einer Aura, Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden oder Übelkeit, verabreicht. Bei starken Schmerzen kann es jedoch sein, dass Medikamente wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen nicht ausreichen. In diesem Fall kann der Arzt stärkere Migräne-Medikamente („Triptane“) verordnen. Beim Auftreten von Augenerscheinungen sollte Magnesium eingenommen werden.

Vorbeugung durch Lebensstil-Modifikationen und Medikamente

Das Auftreten von Migräneanfällen kann zu einem gewissen Grad durch die Einnahme sogenannter b-Blocker vorgebeugt werden. Zudem kann versucht werden, durch die Meidung vermeintlicher auslösender Faktoren wie Käse, Wein und Schokolade, der Reduktion von Stress und dem Einhalten einer ausreichenden Schlafdauer die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer erneuten Migräne-Attacke zu reduzieren.

Fazit

Eine Migräne kann mit oder ohne Vorboten (Aura), wie Augenerscheinungen auftreten. Typischerweise tritt ein sogenanntes Flimmerskotom auf, welches maximal 1h anhält und ungefährlich ist. Hält ein Flimmern länger an, treten neue oder andere Augenerscheinungen wie ein Gesichtsfeldausfall auf oder verändern diese ihre Intensität, so müssen diese durch einen Augenarzt abgeklärt werden, da es sich auch eine ernstere Ursache, wie z.B. eine Ablösung der Netzhaut oder um ein neurologisches Problem, wie z.B. einen Schlaganfall handeln könnte. Kennen Sie die genannten Beschwerden? Haben Sie diese bereits einmal von einem Augenarzt abklären lassen? Wenn nein, vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin! Die Augenärzte im Zentrum Wallisellen stehen Ihnen gerne zur Verfügung.